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Blended E-Health für die Gewährleistung der Behandlungsintensität

  • E-Health in der Forensischen Psychotherapie: Ergänzung und Unterstützung

E-Health in der Forensischen Psychotherapie: Ergänzung und Unterstützung

Auch auf dem Gebiet der Forensischen Psychotherapie wird zunehmend häufiger mit E-Health gearbeitet, insbesondere als unterstützendes Element einer bestehenden (Intensiv-)Therapie. Die Zielgruppe erfordere einen anderen Ansatz, sagt Larissa Hoogsteder, Behandlungsleiterin Jugendliche & Erwachsene bei De Waag, einer forensischen Einrichtung, die ambulante Therapien anbietet.

Foto van Larissa Hoogsteder Larissa Hoogsteder, Behandlungsleiterin bei De Waag. Foto: Wiep van Apeldoorn

Hoogsteder betrachtet Blended Care als geeignete Methode, um die Forensische Psychotherapie zu gestalten und - falls notwendig - die Behandlungsinstensität zu gewährleisten. “Aber auch dann weniger persönliche Kontakte zum Patienten keine Option. Es geht dabei vorrangig um die Intensivierung der Therapie." Ein junger Erwachsener hat z.B. die Wahl, entweder dreimal in der Woche persönlich vorbeizukommen oder, wenn er sich darum bemüht, ein Online-Modul zu belegen, nur noch zweimal. “Dann kann es eine Form von Ersatz sein, aber nur für eine zahlenmäßig kleine Gruppe. Sie müssen es gut bewältigen können und manche sind diesbezüglich in ihren Möglichkeiten eingeschränkt.”

Blended E-Health für die Gewährleistung der Behandlungsintensität

Die Patienten der Forensischen Psychotherapie sind in der Vergangenheit mit der Polizei in Berührung gekommen oder drohen, zukünftig mit dieser in Kontakt zu kommen. Es werden dort Patienten mit Aggressionsproblematiken behandelt oder Personen, die durch häusliche Gewalt, Kindesmisshandlung oder Ladendiebstahl auffällig geworden sind. Auch Formen von Vermögensdelikten (u.U. in Kombination mit einer Aggressionsproblematik) und sexuell grenzüberschreitendem Verhalten spielen eine Rolle. In Deutschland wurde die Einführung einer Erstattung von E-Health für Patienten der Forensischen Psychotherapie beschlossen, in den Niederlanden streben die Krankenkassen den allgemeinen Einsatz von E-Health an.

Selbst entwickeln: Modul "Aggressionsprobleme"

Im Jahr 2013 hat De Waag mit E-Health begonnen. Nach einer ersten Evaluation beschloss die Einrichtung eine Fortsetzung, dann aber mit einem Anbieter, der die Möglichkeit bietet, eigenen Content und eigene Programme zu entwickeln und auch zu nutzen. Ab 2015 wurde dieses Vorhaben gemeinsam mit Minddistrict umgesetzt, das neue Konzept ging Anfang 2016 an den Start. “Wir haben ein Programm für Menschen mit ernsthaften Aggressionsproblemen entwickelt und haben für ein passendes Angebot über Minddistrict gesorgt. Es geht vor allem um Module, die auf Inhalte wie Stressreduktion, Verbesserung bzw. Reduzierung von Impulsivität, Kontrollfähigkeiten und die Arbeit mit einem Sicherheitsplan abzielen." (Ein Sicherheitsplan enthält eine vorher vereinbarte Vorgehensweise, um im Krisenfall die Sicherheit anderer sicherzustellen, die Red.). Larissa Hoogsteder findet, dass die Standardmodule von Minddistrict für die Patienten von De Waag nicht immer ganz passend sind: “Für unsere Patienten sind die Module manchmal etwas zu sprachlich. Sicher enthalten diese auch hilfreiche Inhalte, aber es gibt auch den Wunsch danach, die Module noch besser auf die Patienten zuzuschneiden."

E-Health wird in der Forensischen Psychotherapie langsam angenommen und zur Erhöhung der Behandlungsintensität eingesetzt

In der Forensischen Psychotherapie würde E-Health langsam angenommen, bemerkt Larissa Hoogsteder, teilweise durch finanzielle Anreize. “Krankenkassen und die Justiz erkundigen sich nach unserem E-Health-Angebot. Für die Justiz wäre vor allem die Nutzung einer App interessant, das würde auch zur Zielgruppe passen.” Das funktioniere nur als Ergänzung, betont sie. "Aber manchmal klappt es einfach nicht. Viele unserer Patienten haben gar kein Smartphone oder Computer."

Erklärung und Engagement sind bei E-Health wichtig

Manchen Patienten ist E-Health bereits aus anderen Therapieformen bekannt. “Die allgemeine Erfahrung ist, dass diese, bevor sie eine Erklärung bekommen haben, wie es funktioniert, auch damit gar nicht erst anfangen”, sagt die Behandlungsleiterin. Auch mit Unterstützung und Erklärung durch den Therapeuten hake ein Teil es schnell ab. “Wir bemerken, dass es gut funktioniert, wenn der Therapeut zwischendurch nachfragt, ob bereits Aufgaben bearbeitet wurden. Nachzuhören, ob jemand ein Feedback wünscht, hilft auch." Auch die Möglichkeit, in den Tagebüchern Einträge nachlesen zu können, werde positiv aufgenommen. Zudem stellt Larissa Hoogsteder fest, dass ein Patient umso begeisterter von E-Health sei, wenn der Therapeut es auch ist. "Es gibt auch immer Fragen danach, was mit den gespeicherten Daten passiert. Viele denken, dass es sich dabei um Forschungsdaten handelt. Daher müssen wir das wirklich gut erklären, dass das nicht der Fall ist."

Patienten sind umso begeisterter von E-Health, wenn der Therapeut es auch ist

Module nach Maß

“Wir haben unsere Forensische Psychotherapie so gestaltet, dass ausreichende Möglichkeiten bleiben, um maßgeschneiderte Lösungen anbieten zu können", sagt Hoogsteder. “Wir haben ständig im Blick, was notwendig und was realisierbar ist. Wenn aber ein Patient z.B. ein Programm zur Stressreduktion durchläuft, schaut man auch, ob das mit Modulen über die Minddistrict Plattform unterstützt werden kann.” Dann werden einige Übungen vorab erklärt und der Therapeut kann online den Übungsverlauf verfolgen. “Patienten empfinden die Minddistrict Plattform vor allem auch als gelungene Gedächtnisstütze. Sie ermöglicht immer eine Übersicht über alles, was man schon gemacht hat. Dadurch bleibt mehr hängen."

Logo van forensische zorgaanbieder De Waag

Den nächsten Schritt machen

Bei De Waag ist es nun das Ziel, dass jeder Therapeut mindestens drei Patienten E-Health anbietet. “Wir wollen 2019 den nächsten Schritt gehen und E-Health beim Aufnahmegespräch standardmäßig anbieten. Es sei denn, jemand hätte nicht die Mittel dazu", so Larissa Hoogsteder. Je nach Versorgungsintensität des Beschwerdebildes werden entsprechende Module bereitgestellt, die der Patient nach dem Aufnahmegespräch durchlaufen könnte. Die Nutzung soll auf diese Weise weiter vorangetrieben werden. “Bei einem Patienten braucht man nur die Tagebücher, mit einem anderen chattet man in erster Linie, um kontinuierlich Kontakt zu halten. Bei wiederum anderen arbeitet man mit diversen Modulen." Manche Therapeuten nutzen zur Erkenntnisgewinnung ihrer Patienten auch vorrangig die Filmsequenzen.

De Waag entwickelt auch weiterhin selbst Inhalte für die Forensische Psychotherapie, z.B. Gruppenprogamme für Ladendiebinnen

Mit E-Health als Standardangebot bei Aufnahmegesprächen soll der Prozentsatz der Nutzer erhöht werden. “Wenn ein neuer Therapeut mit uns eine Zusammenarbeit beginnt, erhält auch dieser eine Schulung. Zudem sitzen an allen Standorten von De Waag Therapeuten, die im Umgang mit E-Health sehr erfahren sind und alle Fragen beantworten können.” De Waag entwickelt und nutzt auch weiterhin eigene Inhalte. So gibt es nun ein Gruppenprogramm für weibliche Ladendiebe. Alle Programme enthalten auch Sicherheitspläne, sodass die Patienten reflektieren können, was ihnen dabei hilft, kein grenzüberschreitendes Verhalten mehr an den Tag zu legen.

“Wir sind jetzt damit beschäftigt, Arbeitsblätter für Patienten einzufügen, die sich sexuell grenzüberschreitend verhalten haben. Das kann eine online schwierig zu therapierende Gruppe sein, aber wir möchten gerade dieser Gruppe zeigen, wie es eben doch funktionieren kann. Und sie ziehen auch einen großen Nutzen daraus", erklärt Hoogsteder.

Im kommenden Jahr hat De Waag sich 1.000 mit E-Health arbeitende Patienten zum Ziel gesetzt; das sind etwa 15 % aller in Therapie befindlicher Patienten. “Wir haben noch gar keine Ahnung, ob das klappt, aber wir gehen zuversichtlich daran. Und wir möchten, dass diese Zahl jedes Jahr substanziell wächst", bleibt Larissa Hoogsteder optimistisch.

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