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E-Mental-Health auf dem Hauptstadtkongress 2018

Hauptstadtkongress E-Mental-health workshop

Von Christian P. Krohne -Auf dem Hauptstadtkongress 2018 in Berlin stellte der Online-Therapie-Anbieter Minddistrict die Möglichkeiten des Einsatzes von E-Mental Health zur psychotherapeutischen Behandlung vor.

Dieser Artikel wurde auch auf Hashtag Gesundheit veröffentlicht.

Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen und benötigen eine professionelle Behandlung. Jedoch bekommen sie die nötige Hilfe oft erst nach langer Wartezeit. Wartezeit, die fatale Konsequenzen nach sich ziehen kann. Da sich dieser Missstand nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen anderen Ländern nur sehr langsam bessert, haben Unternehmen und Kliniken in den vergangenen Jahren verschiedene Modelle der psychologischen Intervention entwickelt, die auch online funktionieren.

Ergänzung durch Online-Therapie

Die Ergänzung einer ambulanten Behandlung durch eine Online-Therapie bietet für den Patienten viele Vorteile. Wer an einer psychischen Krankheit leidet, verspürt häufig den inneren Druck, sich sein Leiden nicht anmerken zu lassen oder so lange zu kaschieren, bis es vermeintlich besser wird. Gleichzeitig fürchtet er sich vor der Stigmatisierung durch sein Umfeld – und zögert seine Behandlung möglicherweise so lange heraus, bis es nicht mehr auszuhalten ist. Durch Online-Interventionen können sich psychisch erkrankte Menschen ganz diskret in Behandlung begeben und dabei auch Fahrtwege vermeiden – was ihnen erstens das Aufraffen erspart, sich therapieren zu lassen und zweitens das Gefühl nimmt, womöglich von Bekannten, Kollegen, Freunden beim Gang zur Therapeutin gesehen zu werden und sich unangenehmen Fragen ausgesetzt zu sehen.

Eine Online-Therapie bedeutet nicht, dass ein Patient vollkommen isoliert vom Kontakt mit anderen Menschen an sich arbeitet

Besonders vorteilhaft an einer Online-Intervention ist, dass der Patient die Therapiemodule in seinem eigenen Tempo und entsprechend seines individuellen Entwicklungstandes bearbeiten kann – auf diese Weise lässt sicher sicherstellen, dass der Patient jeden Therapieschritt so lange vollführt, bis bei ihm auch tatsächlich eine effektive und nachhaltige Wirkung feststellbar ist. Eine Online-Therapie bedeutet nicht, dass ein Patient vollkommen isoliert vom Kontakt mit anderen Menschen an sich arbeitet – der Austausch mit anderen Patientinnen und Patienten ist gerade für Menschen mit einer psychischen Erkrankung sehr wertvoll und ermutigend und wird durch virtuelle Selbsthilfegruppen gewährleistet.

Die Evidenz in Bezug auf Online-Interventionen ist in vielen Forschungsprojekten belegt worden. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Wann ist der Einsatz von E-Mental-Health sinnvoll?

Online-Therapiemodule können nicht nur bei Depressionen angewendet werden, sondern bei einer Reihe von psychischen Erkrankungen, u.a. bei:

  • Psychotischen Störungen
  • Persönlichkeitsstörung
  • Bipolare Störung
  • Traumata
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Sucht
  • Autismus
  • Leichter Intelligenzminderung

Der Fokus liegt bei der Psychoedukation, also der Vermittlung von Wissen über die eigene Erkrankung und dem Umgang damit. Auch Module für Angehörige von Betroffenen sind im Therapieprogramm vorgesehen, sodass auch sie besser darauf vorbereitet sind, wie sie mit psychisch erkrankten Familienmitgliedern oder Partnern unterstützend umgehen können.

Für die jeweilige Zielgruppe werden die Inhalte zudem individuell aufbereitet. So wird bei den Online-Modulen für Patienten mit leichter Intelligenzminderung oft auf die Darstellung der Inhalte in Form von Comics zurückgegriffen, die dazugehörigen Texte lassen sich per Vorlese-Funktion leichter verständlich vermitteln.

Wie werden Online-Therapien im Alltag angewendet?

Online-Therapiemodule bieten für Patienten, die stationär behandelt werden, eine Vielzahl an Vorteilen: Gerade für Patienten, die sich an der Schnittstelle zwischen stationärem Aufenthalt und Entlassung befinden und auf einen Therapieplatz warten, ist der Einsatz von Online-Angeboten sinnvoll. Somit haben sie auch in der therapiefreien Zeit auf therapeutische Inhalte Zugriff und auf diese Weise permanent psychoedukative Inhalte und Übungen auffrischen können.

Rein unbegleitete Interventionen verpuffen, begleitete Interventionen sind ungefähr genauso wirksam wie ambulante Interventionen. Daher wird idealerweise auf sogenannte Blended Pathways gesetzt. Hierbei werden Online-Inhalte mit persönlichen Gesprächen kombiniert.

Schon klinik MindDoc Programm Die Schön-Kliniken gehören zu den ersten Kliniken, die mit ihrem „MindDoc“-Programm bereits eine solche Blended Therapy anbieten. Nach dem persönlichen Ersttermin in der Klinik werden die Online-Interventionen für den Patienten freigeschaltet. Die Einzelsitzungen finden dann per Video-Konferenz statt, in denen die Patientin therapeutische Feedbacks erhält. In Kombination mit den Videogesprächen erhält sie Zugang zu den psychoedukativen Lektionen, die auch Übungen zur Verhaltensänderung beinhalten.

Besonders praktisch: Patienten, die stationär behandelt wurden, können im Anschluss an den Klinikaufenthalt auch weiterhin auf die Online-Interventionen zugreifen.

Sind meine Daten eigentlich sicher?

Die DSGVO hat natürlich auch für Online-Therapiedienstleister Auswirkungen. Um Sicherheit zu gewährleisten, beschäftigt Minddistrict eigene Hacker, die zwei Mal pro Jahr versuchen, das System zu hacken und somit eventuelle Schwächen aufzudecken und zu beheben. Die Patientendaten werden pseudonymisiert via VPN-Client gespeichert und von Minddistrict selbst weder aufgerufen noch ausgewertet.

Fazit

Durch den Mangel an Psychotherapeuten und den damit verbundenen langen Wartezeiten stellt E-Mental Health eine in ihrer Bedeutung steigende Ergänzung zum bisherigen Versorgungsangebot dar. Dass begleitete Online-Interventionen in etwa genauso gut wirken wie ambulante Interventionen und daher für Patienten ernsthaft in Betracht kommen und gefördert werden sollten, belegen mittlerweile mehrere klinische Studien.

Besonders wichtig zu beachten ist, dass nicht nur die Patienten gut mit den Online-Modulen zurechtkommen, sondern auch, dass eine Implementierung bei den Behandelnden stattfindet. Diese sind häufig mit der Digitalisierung im Allgemeinen, aber auch digitalen Möglichkeiten der Psychotherapien im Speziellen, überfordert und müssen daher optimal auf die Möglichkeiten von E-Mental Health geschult werden, damit Patienten schon bald wieder ihr Glück und ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen können.

Christian P. Krohne ist Berater für politische Kommunikation in Berlin und hat sich auf gesundheitspolitische Themen spezialisiert. Er engagiert sich zudem im Verein #Gesundheit, einer überregionalen Plattform, die Young Professionals im Gesundheitswesen eine Stimme verleiht. Mehr Infos: christiankrohne.com | hashtag-gesundheit.de

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