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Tic-Störung online behandeln

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Lange galt die Tic-Störung als seltene Erkrankungen. Neuere Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass multiple und andauernde Tics bei 4-7 % der Erwachsenen vorkommen. Gleichzeitig ist die Zahl der Behandelnden, die eine effektive Therapie bei Tic-Störung anbieten können, sehr gering. Betroffene müssen oft lange Wartezeiten und Fahrtwege in Kauf nehmen, um angemessene Behandlung zu erhalten. Die Online-Intervention ‚Online Tics‘ wird dies ändern. Sie wurde von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in Zusammenarbeit mit Minddistrict entwickelt.

Tic-Störung Tourette-Syndrom

Studie ‚Online Tics‘ - Tic-Störung online behandeln

Professorin Dr. Kirsten Müller-Vahl erforscht seit vielen Jahren Tic-Störungen an der MHH. Sie ist eine renommierte Expertin für die Behandlung von Tics mit Hilfe des Habit Reversal Trainings (HRT). Dieses Therapieprotokoll bewirkt nachgewiesenermaßen eine bedeutsame Reduktion der Tics innerhalb einer Face-to-Face-Psychotherapie. In der Studie ‚Online Tics‘ untersucht sie, wie effektiv das HRT online durchgeführt werden kann. Zu diesem Zweck hat sie ein umfangreiches Therapie-Training entwickelt, das von Betroffenen ab Oktober dieses Jahres genutzt werden kann.

„Ich denke, dass eine wirklich sehr gute Plattform entstanden ist. Wir freuen uns jetzt sehr auf den Beginn der Studie.“

Die Studie wird an der MHH, sowie in 4 weiteren Studienzentren in München, Lübeck, Aachen und Dresden durchgeführt. In der randomisiert kontrollierten Studie wird den Teilnehmenden in der Placebogruppe ein eigens für die Studie entwickeltes Placebo-Modul mit ausführlicher Psychoedukation, interessanten Videos und einem Quiz bereitgestellt. Im Anschluss an die Studie können sie auch die Online-Intervention zur eigentlichen Behandlung der Tics nutzen.

Patientinnen und Patienten mit Tic-Störung, die an einer Teilnahme an der Studie interessiert sind, können zu Frau Professorin Dr. Kirsten Müller-Vahl Kontakt aufnehmen: Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie Medizinische Hochschule Hannover Telefon: 0511-532-2494 E-mail: online-tics@mh-hannover.de


Habit Reversal Training zur Reduktion von Tics

Das HRT wird seit vielen Jahren erfolgreich zur Behandlung von Tics in konventionellen Therapiesettings eingesetzt. Kernelement des Trainings ist das Entwickeln einer Gegenbewegung für jeden einzelnen Tic. Die Gegenbewegung wird idealerweise vor Beginn des Tics ausgeführt und ist mit diesem nicht gleichzeitig ausführbar. Wenn beispielsweise der Tic mit einer Vorwärtsbewegung des Kopfes beginnt, kann der Kopf als Gegenbewegung leicht nach hinten geschoben werden. Vorwärts- und Rückwärtsbewegung sind nicht gleichzeitig möglich und so kommt es zu einer Unterdrückung des Tics.

Tic-Störung Tourette-Syndrom

Weitere Elemente ergänzen die Therapie

In der Studie wird das HRT mit weiteren Therapieelementen zum Comprehensive Behavioral Intervention for Tics (CBIT) ergänzt. Neben ausführlicher Psychoedukation werden die Teilnehmenden auch bei der Veränderung von ticverstärkenden Einflussfaktoren unterstützt. Zusätzlich können sie Audiodateien zum Erlernen von Entspannungsverfahren nutzen. Ein Belohnungsprogramm sorgt für anhaltende Motivation und Therapietreue.

Tic-Störung Tourette-Syndrom

Zufriedene Expertinnen

Frau Dr. Müller-Vahl ist mit dem Ergebnis des Entwicklungsprozesses sehr zufrieden: „Ich denke, dass so eine wirklich sehr gute Plattform entstanden ist. Wir freuen uns jetzt sehr auf den Beginn der Studie.“ Auch Frau Professorin Dr. Sabine Wilhelm von der Harvard Medical School, die an der Entwicklung des Trainings mitgewirkt hat, zieht eine positive Bilanz: „‚Online Tics‘ bietet eine schöne Einführung in Online-Trainings, die Tic-Diagnose und eine ausgezeichnete Beschreibung der Behandlung. Die Benutzeroberfläche ist großartig. Ich mag die Videos sehr, ebenso die Mehr-Lesen-Funktion, die es den Teilnehmenden erlaubt, genau so viel zu erfahren, wie sie möchten. Die Behandlung selbst ist interaktiv und beinhaltet hervorragende Beispielpatienten.“

Tic-Störung Tourette-Syndrom

E-Mental-Health bietet wohnortsnahe Versorgungsmöglichkeiten

Die MHH hat mit der Entwicklung des ‚Online Tics‘-Trainings einen großen Beitrag zur niedrigschwelligen und wohnortsnahen Versorgung von Patienten mit Tics und Tourette-Syndrom geleistet. Die Wirksamkeit von webbasierten Interventionen wurde bereits in vielen Studien nachgewiesen. Daher entscheiden sich immer mehr Forschungsgruppen und Kliniken, ihre Regelversorgung durch moderne E-Mental-Health-Angebote zu ergänzen. Auf diese Weise verbessern sie die Behandlungsqualität durch verkürzte Wartezeiten und eine aktivere Einbindung der Betroffenen in ihre Therapie.

Mehr erfahren?

Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie Ihre Patientinnen und Patienten von E-Mental-Health profitieren? Oder darüber, wie Sie Online-Interventionen speziell auf ihre Bedürfnisse zuschneiden können? Dann kontaktieren Sie uns oder folgen Sie uns auf Twitter.

Möchten Sie mehr über die Forschung zu Online-Interventionen erfahren? Dann lesen Sie z.B. diesen Blog über Dr. Ina Beintners Arbeit auf dem Gebiet der Essstörungen.

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