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"Wer ein Gefühl der Dankbarkeit wirklich verinnerlicht hat, kann sich auch über negative Erfahrungen freuen"

Mit Dankbarkeit negativen Gefühlen zu Leibe rücken

Sie ist kostenlos, den ganzen Tag verfügbar und sorgt garantiert für ein gutes Gefühl. Und doch ist Dankbarkeit für viele Menschen schwierig anzunehmen. Warum müssen wir dieses Thema ernst nehmen? Und kann ein Modul dabei helfen?

Wenn Experten über etwas einig sind, dann darüber, dass einmal täglich mit etwas innezuhalten, für das man dankbar ist, jedem gut tut. Dankbarkeit bewirkt ein positives Gefühl, lässt uns mit einer positiveren Einstellung im Leben stehen und ermöglicht uns, anderen einen emotional besseren Halt zu geben, so u.a. eine Studie von zwei amerikanischen Wissenschaftlern.

Foto zweier Hände, die Dankbarkeit illustrieren

Trotzdem halten wir bei diesem Thema nicht besonders oft inne, bemerkt Lilian Jans-Beken. Sie promovierte im vergangenen Jahr an der Offenen Universität in den Niederlanden zum Thema Dankbarkeit und psychische Gesundheit. "Wir leben in einer individualistischen Gesellschaft, in der alles in unserer eigenen Verantwortung liegt. Glück, Erfolg und unsere Gesundheit. Wenn man das in Relation zu Dankbarkeit setzt, ist dabei ein gewisses Maß an Abhängigkeit erforderlich. Wenn ich jemandem für irgendetwas dankbar sein muss, akzeptiere ich automatisch, dass ich etwas nicht selbst konnte oder hatte." Die Bescheidenheit, die Akzeptanz, dass etwas oder jemand unsere Bedürfnisse befriedigt, ist ein wichtiges Element von Dankbarkeit, so Jans-Beken.

Wenn ich für mein Glück und meinen Erfolg selbst verantwortlich bin, was passiert dann, wenn ich es selbst nicht kann?

"Zuzugeben, dass man Unterstützung braucht, ist deshalb für viele Menschen nicht ganz einfach. Wenn ich für mein Glück und meinen Erfolg selbst verantwortlich bin, was passiert dann, wenn ich es selbst nicht kann? Wir denken, dass andere eine negative Meinung darüber haben könnten." Lilian Jans-Beken ist davon überzeugt, dass Menschen immer dazu bereit sind, einander zu helfen; es sich aber in unsere Kultur eingeschlichen hat, dass es sich nicht gehört, andere um Hilfe zu bitten.

Dankbar innehalten

Wer die positiven Effekte von Dankbarkeit selbst erfahren möchte, kann das eigenständig üben. Es sind diverse Bücher zum Thema zu kaufen, oder Minddistrict bietet ein Modul an, mit entsprechenden Anleitungen für Menschen, die sich selbst darin trainieren möchten, öfter dankbar innezuhalten. In dem Modul wird mithilfe eines Tagebuchs das Nachdenken über Dankbarkeit aktiviert und gefördert. So werden z.B. Fragen gestellt, wofür man bei längerem Nachdenken wirklich dankbar ist. Das erleichtert dann, etwas auszuwählen, worüber man tatsächlich die Kontrolle hat, sagt Jans-Beken. "Daher sagt man dann nicht: Ich freue mich, dass die Sonne scheint, sondern: Ich mache einen Spaziergang, weil die Sonne scheint. Man kann dankbar sein für einen Freund, den man hat. Aber es ist noch besser, für die Freundschaft mit diesem dankbar zu sein, die man entsprechend wertschätzt."

Schritt 1 ist die Überlegung, wofür man wirklich dankbar ist. Der folgende Schritt ist wissen, warum man für etwas dankbar ist.

Im folgenden Modulschritt wird bei der Frage innegehalten, warum man dankbar für den schönen Spaziergang oder die Freundschaft ist. Anschließend ist es auch möglich, sich einer negativen Erfahrung zuzwenden, wie in dem Modul betont wird. "Wer ein Gefühl der Dankbarkeit wirklich verinnerlicht hat, kann sich auch über negative Erfahrungen freuen. Aus wirklich allem im Leben können wir etwas lernen." Die Dankbarkeit kommt oft nicht unmittelbar, nachdem etwas Negatives passiert ist, aber nach einer gewissen Zeit", erklärt Jans-Beken. "Es gelingt dieser Gruppe besser, das große Ganze im Visier zu haben. Das ist wahrlich Dankbarkeit 2.0."

Daraufhin bittet das Modul darum, drei sogenannte Dankbarkeitserfahrungen in dem dazugehörigen Tagebuch zu notieren. Auf diese Weise nehmen diese gemachten Erfahrungen im Kopf des Modulteilnehmers konkretere Formen an. Nach Abschluss des Moduls ist die Herausforderung, in den Alltag oder die Alltagswoche einen festen Moment zu integrieren, in dem man bei einer Dankbarkeitserfahrung innehält.

Auch dankbar für negative Erfahrungen zu sein, das ist wahrlich Dankbarkeit 2.0

Notieren oder twittern

Das Tagebuch ist die bekannteste Methode, um Dankbarkeit zu trainieren. Dabei ist es wichtig, eine Form zu wählen, die zu einem passt, sagt Jans-Beken. "Manche Menschen machen ihre Eintragungen morgens, andere am Abend." Der Expertin selbst macht das Aufschreiben keinen besonders großen Spaß, deshalb postet sie regelmäßig auf Twitter. Das hilft nebenher dabei zu wissen, ob man eher täglich oder wöchentlich etwas schreiben möchte. "Das sorgt auch dafür, dass man seine Umgebung anders wahrnimmt. Man ist schon über den Tag oder die Woche eine Weile damit beschäftigt und achtet daher genauer darauf, was um einen herum geschieht. Das wird dann von selbst zur Gewohnheit."

Illustration einer Figur, die darüber nachdenkt, was sie dankbar stimmt Illustration aus dem Modul ‘Dankbarkeit’

"Wenn diese Art der positiv psychologischen Interventionen zu einem passen, bringt einem das wirklich etwas", betont Lilian Jans-Beken. "Es gibt auch Untersuchungen zu Effekten von Dankbarkeitsübungen bei Depression. Aber bei dieser Gruppe besteht die Gefahr, dass sich ihre Situation verschlechtert. Für sie ist es schwierig, für ihre Umgebung offen zu sein und sie sind vorrangig mit sich selbst beschäftigt. Daher gelingt es ihnen manchmal nicht, ihre Erfahrungen zu notieren. Es ist für sie eine Erfahrung des Scheiterns: Das kann ich auch alles nicht. Deshalb ist es ganz wichtig, dass die Intervention zu der jeweiligen Person passt!"

Positive Gefühle der Dankbarkeit können auf uns selbst gerichtet sein, aber auch auf andere.

Auch Menschen mit einer psychischen oder physischen Erkrankung oder solche mit einem Bedürfnis nach einer Lebensstilveränderung können von Dankbarkeitsübungen profitieren. "Aber ich würde dazu raten, dies zusammen mit einem Psychologen oder Begleiter anzugehen, sodass es mit Sorgfalt geschieht und jemand darauf schaut."

Eine Tatsache bleibt, dass Dankbarkeit für positive Gefühle sorgt, wodurch wir uns wohl und zufrieden fühlen. Die Gefühle können auf uns selbst gerichtet sein, aber auch auf andere, erklärt Jans-Beken. "Das kann zu der Erkenntnis führen, dass soziale Unterstützung von Bedeutung ist, wodurch sich Beziehungen verstärken. Man beschließt, in jemand anderen zu investieren, vielleicht weil die Person einem zuvor etwas gegeben hat. Man möchte demjenigen daraufhin gerne etwas zurückgeben. Diese Gegenseitigkeit führt zu einer Vertiefung der Bindung."

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