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Minddistrict

Eine gesamte Versorgungskette mit den Menschen im Mittelpunkt und mit E-Health als Bestandteil

  • Jubiläumsinterview: “Integrierte Versorgung sorgt für Effizienz, Zeitgewinn und eine bessere Behandlung”

Jubiläumsinterview: “Integrierte Versorgung sorgt für Effizienz, Zeitgewinn und eine bessere Behandlung”

Provico, die GGZ*-Netzwerkorganisation im niederländischen Noord-Limburg, entstand, nachdem drei psychotherapeutische Einrichtungen den Wunsch hatten, E-Health in die Versorgungskette einzubinden, und in der Region miteinander zu kooperieren. Provico hat unter der Prämisse mit E-Health begonnen, dass es als Bestandteil der gesamten Versorgungskette, mit den PatientInnen im Mittelpunkt, etabliert werden sollte. Und so geschah es. Inzwischen sind nach gut einem Jahr etwa 60 Behandelnde und 2.000 PatientInnen in das Projekt einbezogen. “Es kommt in Gang”, so die Gründer.

Illustration integrierte Versorgung Illustration integrierte Versorgung

Im Kollektiv E-Health einkaufen und zusammenarbeiten – Das war, was Vincent van Gogh, GGZ-Anbieter in Noord-Limburg, bei der Idee, E-Health verstärkt in die Versorgungskette zu integrieren, vor Augen hatte. “Das Ziel: Sollte bei einem Patienten die Versorgung eines höheren Beschwerdebildgrades erforderlich werden, und dieser bei seiner Hausärztin bereits bekannt sein, sind alle betroffenen Parteien an die Plattform angeschlossen. So kann auf einfache Art und Weise nach einer adäquaten E-Health-Unterstützung Ausschau gehalten werden”, erklärt Niels Bolding von Vincent van Gogh.

“Aus Sicht unserer Einrichtung haben wir dann den Vorteil, dass wir Verlauf und Ergebnisse einer vorherigen Behandlun einsehen können. Positiv auf der anderen Seite ist, dass der Hausarzt auch bei einer Abstufung der Bereuungsintensität sehen kann, was zuvor geschehen ist. Das sorgt bei allen beteiligten Parteien für eine klare Übersicht.”

GGZ steht für Geestelijke GezondheidsZorg und bedeutet so viel wie psychotherapeutische Versorgung. Das niederländische Gesundheitssystem wurde vor einigen Jahren reformiert. Die psychotherapeutische Versorgung von Patienten wurde nach Schweregrad der Beschwerdebilder dreigeteilt in:

1. Die Praktijkondersteuning (Praxisunterstützung) GGZ für leichte Beschwerden. Dabei erhalten Hausärzte in ihrer Praxis Unterstützung durch den sogenannten “Praktijondersteuner”.

2. Die Basis GGZ als psychotherapeutische Grundversorgung für moderate Beschwerdebilder.

3. Die Specialist GGZ (Spezialisierte psychotherapeutische Versorgung) für schwerere Störungsbilder.

Ziel der Reform war, Betroffene davor zu bewahren, eine für ihr Beschwerdebild zu komplexe Therapie zu erhalten; und zugleich den Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung auch für Patienten mit leichteren Beschwerden zu erleichtern. Die Inanspruchnahme der spezialisierten Versorgung ist seitdem rückläufig.

Auch bei PRO Praktijksteun wird über eine Neustrukturierung der Versorgungskette nachgedacht. Im Jahr 2012 wurde gemeinsam mit Cohesie, einem Kooperationsverband von Hausärzten, ein entsprechender Plan verabschiedet. “Wir wollten einen Verbund eingehen, der uns sozusagen keine andere Wahl lässt, als miteinander zusammenzuarbeiten”, so Rudolf Keijzer von PRO Praktijksteun. Auch Vincent van Gogh schloss sich dem Verbund mit 50 bis 60 Therapeuten an, ebenso wie erste Therapeuten des GGZ-Anbieters Centiv. Damit war der Start vollzogen und es entstand Provico. “In Noord-Limburg ist Provico heute eine selbstständige Einrichtung, mit den drei Parteien als Anteilseigner. 2014 haben wir mit unserem vorrangigsten Ziel begonnen: Die Region zu vernetzen.”

Weiter wachsen

Gemeinsam mit PRO Praktijksteun und der Unterstützung von Minddistrict hat Provico mit der Entwicklung der Plattform begonnen. Zuallererst lag der Fokus auf der Grundversorgung, aber seit April 2017 können alle Leistungserbringer Teil der Versorgungskette sein, so Keijzer. “Wir sind mit namhaften Partnern gestartet und nach und nach schließen sich bei uns niedergelassene Psychologen an. Es kommt langsam in Gang.” So um die eintausend Patienten hätten im letzten Jahr mit E-Health angefangen, schätzt er. “Es wird in diesem Jahr noch weiter wachsen.”

Seit April 2017 können alle Leistungserbringer Teil der Versorgungskette sein - nach und nach schließen sich niedergelassene Behandelnde an

Inzwischen haben sich viele der Grundversorgungsanbieter und –einrichtungen aus der Region bei Provico angeschlossen. Die Plattform fungiert als Resonanzboden, hat aber auch Signalfunktion für die Versorgung, Psychologen, Kommunen und Gemeinden, Versicherungen und Psychotherapeuten. “Wir haben uns der Verantwortung gestellt, aber immer mit der Vorstellung, dass jeder aus der Region, der Qualität zu bieten hat, mitmacht”, sagt Keijzer. “Wir haben seinerzeit mit uns bekannten Partnern begonnen. In der Zwischenzeit hat Provico einen solchen Bekanntheitsgrad, dass sich neue Anbieter von selbst bei uns melden.”

Gemeinsam Einkaufen zum selben Preis

Die Vorteile der Plattform sind vielfältig. “Wir kaufen über PRO Praktijksteun im Kollektiv ein, daher erhält jeder dieselben Vorteile und denselben Preis. Zudem sind wir in der Region für die PatientInnen erkennbar. Auch kleinere Leistungserbringer profitieren von diesen Vorteilen und können dabei sein. Die Nutzung einer Plattform ist sehr einfach, z.B. durch die gemeinsame Belegung eines Trainings”, so Keijzer. Alles geschieht in derselben Umgebung. Darin liegen laut Niels Bolding auch Vorteile. So kann ein Psychotherapeut für eine Behandlung eingeloggt sein und lässt gleichzeitig einen Patienten mit E-Health beginnen, nachdem die Module von Minddistrict ausgewählt wurden. “Zunächst wollen wir das in der Region aufbauen. Wenn es ein Erfolg werden sollte, könnten wir uns mit anderen Regionalplattformen vernetzen, oder uns selbst vergrößern”, denkt Bolding.

Digibetismus

In der Region, in der Vincent van Gogh arbeitet, liegen die Zahlen der vom sogenannten Digibetismus Betroffenen höher als im niederländischen Landesdurchschnitt. (Digibetismus - in Analogie zum Analphabetismus - ist das Besitz von mangelnde bis gar keine Computerkenntnisse) Aus diesem Grund benötigt die Einrichtung Botschafter, die für eine größerer Bekanntheit von E-Health sorgen. Niels Bolding betrachtet die Entwicklungen der Regionalplattform positiv. “Ich bin ein großer Fan davon. Blended Care kann eine große Unterstützung bieten. Auch die Qualität der psychotherapeutischen Versorgung und deren Effizienz können erhöht werden. In kürzerer Zeit können mehr Patienten behandelt werden.”

Ein gemeinsames Servicecenter mit Mengenvorteil

Der Zeitgewinn macht sich für Bolding auch in anderen Bereichen bemerkbar. “Zuvor hatten wir einen eigenen Administrator, der Accounts freischaltete und Trainings zuwies. Alle drei Parteien hatten dafür jeweils eine dafür eingeteilte Person. Nun gibt es ein Team, das das für die drei Einrichtungen übernimmt.” Dasselbe gilt für den Helpdesk, der bei der Implementierung unterstützt. “Wir haben jetzt ein gemeinsames Servicecenter mit Mengenvorteil.”

Die Regionalplatform bietet außerdem mehr als E-Health, erklärt Bolding. “Es werden die Module von Minddistrict angeboten und in Zukunft können auch Anbieter wie 123Psychiatrie teilnehmen. 123Psychiatrie ist eine Beratungsplattform, die der Primärversorgung (Hausarzt) zur Einholung von Ratschlägen bei der Sekundärversorgung (psychiatrische Klinik) dient. Möglicherweise können wir das zukünftig aus einer integrierten Umgebung heraus organisieren.”

Zusammenarbeit

Die Herausforderung einer Zusammenarbeit mehrerer Parteien bestünde vor allem im Umgang mit verschiedenen Charakteren mit unterschiedlichen Hintergründen, so Keijzer. “Wie planen Sie ein Zusammentreffen, das inhaltlich interessant ist für Menschen in unterschiedlichen Funktionen? Das kann sehr schwierig sein. Und wo wir früher in dieser Region mit fünfzig Behandlern aus der Praxisunterstützung (POH-GGZ) arbeiteten, sind es heute gut zweitausend.”

'Mal ist jemand Bürgerin, mal Patientin'

“Die Implementierung von E-Health steckt noch in den Kinderschuhen und muss deshalb weiter ausgearbeitet werden”, sagt Rudolf Keijzer. “Wir würden auch gerne im Sinne der sozialen Domäne* mit Gemeinden und Kommunen zusammenarbeiten, wie z.B. dem betreuten Wohnen. Und wir möchten das Netzwerk des Patienten stärker einbeziehen.” Technik und Struktur sollten verbessert werden, um Betroffene in allen Phasen ihrer Beschwerden begleiten, und ihnen ansprechende Unterstützung und Inhalte anbieten zu können.

Die soziale Domäne umfasst alle Anstrengungen, die niederländische Gemeinden/Kommunen laut Gesetzgebung von 2015 in den Bereichen Arbeit, Teilhabe, Hilfe zur Selbsthilfe, medizinische und psychotherapeutische Versorgung, Jugend und betreutes Wohnen zur Unterstützung der Bevölkerung zu unternehmen haben.

“Von den Möglichkeiten, die es gibt, nutzen wir aktuell erst einen Bruchteil”. Der nächste Schritt ist, das System um den Patienten herum in sich schlüssig zu gestalten. “Mal ist jemand Bürger, mal Patient”, so Keijzer. “Stellen Sie sich vor, dass jemand nach der Inanspruchnahme des betreuten Wohnens wieder in ein selbstständiges Wohnen zurückkehrt. Dann möchte die Person doch gerne ein Auffangnetz und Kontakt zu einem Begleiter bzw. Betreuer aufnehmen können, der den gesamten Prozess begleitet hat. Wenn wir wissen, wie wir das hervorbringen können, wird es auf allen Gebieten eine bessere Unterstützung für Betroffene geben.”

Wie Menschen in ihrer Eigenverantwortung understützt und gestärkt werden können

Niels Bolding denkt, dass E-Health in der Zukunft ein wichtiger Bestandteil der GGZ-Behandlung werden wird: “Manche werden den Fokus mehr auf eine digitale Behandlung legen, während andere weiterhin persönliche Gespräche vorzieht, und E-Health als ergänzende Unterstützung betrachtet. Es gibt so viele verschiedene Nutzungsmöglichkeiten.” Laut Keijzer bleibt E-Health für Therapeuten eines der Therapieinstrumente. “Es dreht sich in erster Linie darum, wie der Patient in seiner Eigenverantwortung unterstützt und gestärkt werden kann. Wir beobachten, dass E-Health in dieser Hinsicht einen großen Mehrwert darstellt. Aus diesem Grund möchten wir auf diese Weise die Kette verbinden und den Weg weiter gehen.”

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